Peter Gyger online

"Gring ache u seckle" (Quelle: A. Weyermann)

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Sind Sie ein Experte für diese Frage?

Wie vermutlich in jeder grössere Firma haben wir im Intranet ein Forum, wo man Fachfragen stellen darf. Wer etwas dazu weisst, schreibt eine Antwort. Etwas perfider wird es jedoch, wenn die dahinter stehende KI einem als möglicher "Experte" für eine Frage kontaktiert. Der Höhepunkt der süssen Qual ist erreicht, wenn andere Teilnehmer einem als Experte für eine Frage vorschlagen.

 

So kann es geschehen, dass man nach einer sehr kurzen Recherche zu dem Produkt "Fingbox" einen Kommentar im Nebensatz macht. Und keine 10 Min später wird man von der Forumssoftware angefragt: A: "Sind Sie ein Experte für diese Frage?" B:"Können Sie die Frage beantworten". Natürlich hat die negative Antwort zu "A" die Konsequenz das man auf "B" nicht mehr antworten kann. Was schade ist, weil zu "B" ich verschiedenes zu schreiben wüsste. Die Logik dieses Forums ist einfach gestrickt. Es kennt nur zwei Stufen von Kompetenzen: "Experte" und "nicht Experte". Abstufungen existieren nicht. Also muss ich der Logik des Fragestellers (Forumssoftware) folgen und mich als "Experte" bekennen. Was mir gut schweizerisch äusserst unangenehm ist. Gedanklich sehe ich mich schon im Zwiegespräch mit mir selber: "So so... Du bist ein Experte für die Fringbox? Dann erkläre mir doch mal kurz die Protokolle die die App nutzt. Oder mit welchen ARP Tricks sie im Netz verwendet" Etc. Ich bin und war immer Autodidakt. Daher misstraue ich grundsätzlich jedem Diplom Fachmann, erst Recht Fachabteilungen ("Schwarm dumm"). Ich verstehe mein Fachwissen als ein Mindmap. Punktuell gehe ich in die Tiefe und versuche es ganz genau nachzuvollziehen. In anderen Themen (z.B. HDMI / HDR) akzeptiere ich mein fragmentarisches Wissen. Mensch sein, heisst limitiert zu sein. Was wiederum heisst, Fokus setzen, entscheiden und mit den Konsequenzen leben.

 

In der Schule hat mir der Physiklehrer eine Lektion erteilt, an die ich immer wieder gerne zurück denke. Er hat einen Wasserbehälter geschwenkt. Dabei die Frage in die Runde gestellt, was der Wasserspielge mache. Naseweis beantwortete ich die Frage: "Der Wasserspiegel ist immer waagrecht". "Falsch" korrigierte er mich, "er versucht wieder in die waagrechte Position zu kommen". Im Netflix Film "AlphaGo" erfährt man, dass die Software mit einer zweiten Instanz von sich selber gespielt hat, um das Spiel "Go" zu lernen. Das faszinierende an der Niederlage der menschlichen Go Experten (Weltmeister) war, dass sie die Logik in den Zügen von AlphaGo nicht nachvollziehen konnten. Im Schmelztigel von Zürich aufgewachsen, habe ich viele Formen und Varianten von menschlicher Intelligenz gesehen. Auch einen 8 jährigen Nachbarsbuben der mich gelangweilt, so ein oder zweimal im Monat vom Schachbrett fegte. Ich bin weder Wissenschaftler, noch Akademiker. Aber die Zusammenhänge zwischen Intelligenz und Rohstoff - Biologie versus Elektronik - faszinieren und erschrecken mich zugleich.

 

Sich in einem Blog - öffentlich - über prviate Gedanken und Gefühle zu äussern ist per so nicht ratsam. Ich hoffe und vertraue jedoch darauf, dass es eventuell Leser ermutigt, sich selber Gedanken zu machen. Zu der eigenen Individualität zu stehen, nicht in absoluten Kategorien wie klug / dumm, erfoglreich / erfolglos, schön / hässlich etc. zu denken. Leben ist IMO Diversifikation. Meine Werthaltung ist konservativ, was für mich in keinem Widerspruch steht.

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