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HTTP - neue Fehlermeldungen

Ein Computer (Client) sendet eine Anforderung an einen anderen Computer (Server). Der Server sendet in der ersten Zeile der Antwort einen dreistelligen Statuscode mit einer textuellen Ergänzung. Z.B. Statuscode 404 und den Text "not found". In der Gestaltung der Fehlermeldung hat der Serverbetreiber freie Hand. Ein schönes Beispiel liefert die Nasa. Dieser wird angezeigt, wenn man nach der Eingabe der Domain im Browser eine nicht existierende Website anfordert. Z.B. "www.nasa.gov/schweiz.html". Natürlich haben die auf HTTP aufbauenden Protokolle (wie z.B. WebDav) i.d.R. eigene Fehlermeldungen. HTTP wurde in den Anfängen des WWWW (nicht des Internets) von Tim Berners-Lee für HTML entwickelt. WebDav arbeitet mit Dateien, daher sind viele Fehlermeldungen nicht passend.

In den letzten Jahren hat das HTTP Protokoll hat zwei neue Status Codes erhalten. Den eine darf man als "skurill" bezeichnen. Die anderere hingegen hat politisches Potential. HTTP ist eines der zentralen Protokolle des Internet. Binsenweisheit. DNS ist in den Grundzügen seiner Funktion eher bekannt, als HTTP. Die Google Suche erbrachte mit dem Wort HTTP eine Vielzahl an Treffern die nichts mit dem Internet Protokoll zu tun haben. Erst mit dem zweiten Suchwort "Protokoll OR Protocol" erhielt ich ausschliesslich Treffer dazu. Daher eine kurze Leseempfehlung, was bzw. wie HTTP ist:

Elektronik-Kompendium.de handelt das Thema technisch ab.

Webschmoeker.de liefert eine sanfte Lernkurve für Einsteiger in das Thema Netzwerkprotokolle.

RFC1945

Code.org hat ein geniales Video zu HTTP / HTML erstellt: "The Internet: HTTP & HTML"

 

Fehlercode 418

#Supporter/Administratoren/Anwender

Nicht relevant. Eine rein akademische Fingerübung. Genau genommen ist es auch kein HTTP Statuscode, sondern ist im RFC des Protokolles HTCPCP definiert. Wird man in der Praxis - trotz aufkommenden IoT - nie zu Gesicht bekommen.

#Neugierige/Profis

Das Protokoll HTTP ist vielseitig verwendbar. Darauf aufbauend können "Extensionen" ("Erweiterungen") als eigenständige Protokolle festgelegt werden. D.h. es werden ggf. neue Funktionen und Headerfelder hinzugefügt. Die Verwendung für Hyperlinks ist lediglich eine Anwendung. Bekannte Beispiele für "Extensions" sind:

 Larry Mansiter war 1998 nicht glücklich, über diese schrankenlose Flexibilität des HTTP Protokolls. Als Aprilscherz jedoch mit fachlicher Seriosität definierte er als  Erweiterung das Protokoll "HTCPCP". Das Akronym bedeutet "Hyper Text Coffee Pot Control Protocol". Damit kann man mit vernetzten Kaffeemaschinen kommunizieren. Der Umfang der Kommunikation hat der Entwickler im RFC 2324 festgelegt.  Und in diesem RFC, Punkt 2.3.3, ist der Fehlercode 418 definiert.

Kaffee ist ein integraler Bestandteil der Internetkultur - von Anfang an. Was die "Trojan Room Coffee Machine" beweist. Die Teefraktion schlug 2014 mit dem Protokoll "HTCPCP-TEA" als Aprilscherz zurück. Definiert in der RFC 7168. Im Abschnitt "Abstract" wird deklariert, dass dieses Protokoll als Erweiterung ("Extension") zu HTCPCP definiert ist:

   The Hyper Text Coffee Pot Control Protocol (HTCPCP) specification
   does not allow for the brewing of tea, in all its variety and
   complexity.  This paper outlines an extension to HTCPCP to allow for
   pots to provide networked tea-brewing facilities.

Somit ist der Statuscode 418 genau gesehen ein Fehler des HTCPCP Protokolles. Wie schon einige Male haben sich die akademischen Scherze zu ernsthaften und realen Konstrukten verselbständigt. Der für das HTTP Protokoll Verantwortliche bei IETF hat mehrfach versucht diese Fehlercodes wieder zu löschen. Damit das Kernprotokoll nicht verschmutzt wird und der Fehlercode für eine spätere Verwendung frei ist.

Der Fanclub des Fehlers formierte mit einer Website den Widerstand. Selbst Google unterstützte am Schluss diesen Fehlercode. Das IETF gab nach und reserviert den Fehlercode für eine spätere Verwendung. In der Praxis wird man den Fehlercode kaum je sehen, da sich i.d.R. kein Entwickler die Arbeit mit einer so differenzierte Fehleranalyse macht. 

Mein Fazit: Humor in RFCs ist nichts Neues. Humor im allgemeinen ist abhängig von Situation und Kontext eine menschliche Qualität. "Internet" hat in der modernen Gesellschaft die Bedeutung von Elektrizität oder Mobilität. Wenn das IETF ("Mark Nottingham") auf Druck einer Gruppe bzw. der Firma Google Spezifikationen in HTTP ändert, so ist das nicht vertrauensfördernd was der Glaube an ein freies und funktionierendes Internet angeht.

 

Fehlercode 451

Es erstaunt mich stets aufs Neue, dass das Buch "1984" für viele ein Begriff ist. Jedoch wesentlich weniger "Schöne neue Welt" oder "Fahrenheit 451". Der Titel des zu letzt genannten Buches diente als Vorlage für den Fehlercode. Der Fehlercode 451 zeigt den Text "Unavailable for legal Reasons" an und ist im RFC 7725 spezifiziert. 

2012 las Google-Mitarbeiter Tim Bray das ein britischer ISP eine Website auf Grund eines Gerichtsbeschlusses blockierte. D.h. wenn man die URL im Browser eingab, erhielt man den HTTP Status Code 403 - Forbidden - angezeigt. Er reichte dem IETF den Vorschlag ein, für die staatlich zensurierten Websites einen eigenen Status Code einzuführen. 451 passte in der Analogie zum Buch. Das wurde vor ca. 1 Jahr auch so umgesetzt.

Wie heikel bzw. praktikabel die Umsetzung dieses Fehlercodes ist, zeigt ein frei lesbarer Artikel aus dem Heise Verlag vom Juli 2017: "HTTP-Fehlercode 451: Tools sollen gegen Zensur helfen und sie transparent machen"

 

 

 

 

 

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