Peter Gyger online

"Gring ache u seckle" (Quelle: A. Weyermann)

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Das Basilikum Räsel oder warum Fachleute sich überflüssig machen...

Eine Freundin ist in Ihrer Verzweiflung mit einem Problem ausserhalb meines Interesse an mich herangetreten. Die Pflanzen in Ihrem Garten werden angefressen. Speziell der Basilikum hat an jedem Tag neue Löcher. Anfangs so, danach so.

Sie ging zum Fachgeschäft und erhielt ein Ungeziefermittel. Ausserdem die Adresse des Herstellers, um ggf. ein Schädlingsexemplar einzuschicken. Das Mittel erbrachte keine Verbesserung. Die Antwort zum eingeschickten Insekt war: "Es ist ein Ohrenwurm (Ohrmüggler). Die sind harmlos bzw. nützlich". Eine bekannte Gärtnerei, wo sie den Basilikum gekauft hatte, bestätigte das Ohrwürmer kein Basilikum fressen. Da er ohnehin in der Nähe wäre, schaute er sich das Ganze an. Resultat: "Das ist normal. Das ist Natur. Alternative wäre  ein hartes Pestizid, dass alles abtötet und danach ca. 4 Wochen warten, bevor man den Basilikum isst ("Pesto"). Unter dem Strich heisst das, sie solle A: keine Pflanzen im Garten aufstellen B: einen Kakteengarten ("Sukkulenten") anlegen C: einen Zen-Garten kreiren.

Dank der Suchmaschine "Google" und gezielter Recherche ergab sich innert weniger als einer Stunde folgendes Resultat:

A: Ohrwürmer sind (auch) Schädlinge

https://de.wikipedia.org/wiki/Ohrw%C3%BCrmer#Lebensweise

http://www.gartenakademie.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/59cc5a1fc9c7e89ec1256fa50045969a/92bad83ffa48959bc12572ff0051d8ab?OpenDocument

B: Das Ohrwürmer den Basilikum aus dem Laden schätzen ist dokumentiert:

http://www.wilde-moehren.de/angefressen-plage-am-basilikum/

Der Feind ist jetzt benannt und jetzt geht es um Lösungsstrategien.

 

Der für mich faszinierende Punkt ist, dass wie so oft und wie in so vielen Lebensbereichen die Fachleute nicht aktuell bzw. ausreichend informiert sind. Der Fachmann als Mensch hat ja ohnehin die Schwäche der Trägheit und die Liebe zur Routine. Sich mit einem Problem auseinandersetzen kostet Energie und ist unbequem. Daher die goldene Regel für das Zeitmanagement: "Nein" wenn jemand etwas wünscht, dass keinen Nutzen (von ideellen Zielen bis hin zu Klassikern wie Wissen, Sex, Geld, etc.) erwirtschaftet.

Analog der Entwicklung der KI und Elektronik im Auto, ist jeder interessierte Laie mit einem Computer und Internetzugang in der Lage Probleme zu lösen. Einerseits durch Datenbanken und Webservices, aber noch mehr über Foren wo Anwender Erfahrungen austauschen. "Webbasiertes lernen" ist der erste Schritt zu mehr Interaktivität gewesen. Über "Google Hangouts" (Skype und andre Videomessenger gehen genau so gut) konnte man z.B. das Tablet in die Küche nehmen. Danach kochte man unter Aufsicht / Anleitung einer Fachperson, welche über Kamera / Mikrofon die Fortschritte kommentierte. Erfahrungsbericht hier.

Ein Beispiel dafür erlebe ich kürzlich. Im Hintergrund lief meine Waschmaschine, während ich am Computer arbeitete. Da ich sie nicht mehr hörte, dache ich der Waschvorgang sei abgeschlossen und wollte die Türe öffnen. Leider unterbrach ich damit den Waschvorgang vor dem schwingen: Resultat: nasse Wäsche und ca. 2 cm Wasser in der Waschmaschine. Problem "nasse Wäsche" war dank 29 Grad Aussentemparatur gelöst. Die 2 cm Wasser hingegen nicht. Das lesen des Handbuches zeigte eine Möglichkeit "um 3 Ecken" wie man das Wasser ablassen kann. Da ich jemanden kenne, der seit Jahrzehnten sich mit diesem Thema auseinandersetzt habe ich nachgefragt. Die Lösung war simpel und effektiv: Den Schleudervorgang über das Interface manuell starten.

2017 und danach sind wir mit einem Mit 3-Druckern, Robotern und dem IoT bereits weiter. Ein Kochrezept aus dem Internet, welches mein Kochherd / Backofen direkt laden kann und selbständig umsetzt. Wenn mich nur das Resultat und nicht der Weg interessiert. Mathematik mit einer Ki - MS Cortana oder Amazon Echo - lernen, welche meine neuralen Muster (Beschränkungen / Eigenarten, etc.) kennt und mit sanfter Stimme mich korrigiert und bestätigt. All das ist aus meiner Perspektive bis 2020 ansatzweise Realität. 

 

 

Wie sieht es unter diesem Vorzeichen mit unserer Arbeitswelt aus? "Läden" werden laufend geschlossen, da über das Internet (bzw. Amazon) billiger und effektiver ("Zalando") bestellt werden kann. Gewerbe / KMU das mit Fachwissen seinen Umsatz macht sind die nächsten. Die Gründe sind oben aufgeführt: Technologische Entwicklung und menschliche Fehler (Arroganz, Faulheit, Brancheninzucht, Betriebsblindheit, etc.).

Das es anders geht, hat mir gestern Ruth Gerber - Inhaberin des Geschäftes Ruth’s Delikatessen GmbH - bewiesen. Auf dem Glas Ihres "Basilikum Pesto" stand der Satz:   "Immer mit Öl bedecken". Trotz Ferienzeit unternahm ich den Versuch über E-Mail nachzufragen, was exakt damit gemeint ist.

Innert weniger Stunden erhielt ich folgende Antwort:

Guten Tag Herr Gyger

Das mache ich sehr gerne.

Unser Pesto wird kalt, ohne einen Kochprozess, in Gläser abgefüllt. Um die Haltbarkeit zu erhöhen muss das Pesto im Kühlschrank aufbewahrt werden. Zudem ist es von Vorteil, wenn man nach dem heraus nehmen die Sauce mit Öl abdeckt, oder sogar das Glas mit Öl  auffüllt (noch sicherer). Dadurch wird das Pesto luftdicht verschlossen und die Keime können sich nicht entwickeln. Ohne die Ölschicht  ist eine gewisse  Haltbarkeit viel schwieriger zu erreichen. Wenn sie das Pest innerhalb von kurzer Zeit verzehren ist die Ölschicht nicht notwendig.

Ein Pesto ohne künstliche Zusätze schmeckt einfach viel besser!

Wünsche Ihnen viel Genuss!

 

Mit freundlichen Grüssen

Ruth Gerber

Was soll ich sagen? Mit Herzblut und präziser Sprache hat mir die Fachfrau meine Frage beantwortet. Jetzt schmeckt mir das Pesto gleich doppelt so gut! Wie so oft betont, ich bin kritisch aber (fast...) nicht boshaft. Was ich hier schreibe ist mein persönliches Gramm Salz ("5 Cents") in die Suppe. Und mit "Suppe" ist der Alltag mit Schwerpunkt auf Computer - Technologie und Gesellschaft gemeint...

 

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